Pilates für Tänzer

Pilates ist eine der beliebtesten Sportarten bei Tänzern. Pilates fördert nicht nur Stabilität, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten, sondern schult auch die Körperwahrnehmung und einen achtsamen Umgang mit sich selbst und unserem Körper. Durch die Präzision und Kontrolle lernen wir unsere körperlichen Grenzen zu erkennen und die Bewegungen aus einem starken Zentrum heraus zu entwickeln. Dadurch kann die Tanztechnik gezielt optimiert werden. Für die besonders im Tanzen stark beanspruchten Köpperbereiche wie Knie, Füße oder die Lenden-Becken-Region dient Pilates als perfekte Ergänzung zum Tanztraining, beugt Verschleißerscheinungen vor und mindert das Verletzungsrisiko.

Joseph Hubertus Pilates hat seine ganzheitliche und systematische Trainingsmethode, durch seine langjährige Arbeit mit Tänzern entwickelt. Da er sein Studio in New York im Haus wo auch das Ney York City Ballet trainierte hatte, kamen viele Tänzer zu seinem Training. Es sprach sich schnell herum, dass Tänzer, die wegen Verletzungen pausieren mussten durch seinen Übungen wieder fit wurden. Das Mattenprogramm besteht aus ursprünglich 36 Kräftigungs-, Mobilisations- und Dehnübungen, welche als besonderes Merkmal der Methode, immer mit der Kraft aus der Körpermitte ausgeführt und kontrolliert werden. Insgesamt entwickelte er im Verlauf seiner Karriere mehr als 600 Übungen für die von ihm erfundenen Geräte.

Nach 10 Stunden fühlen Sie sich besser,

nach 20 Stunden sehen Sie besser aus,

nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper.

Joseph Pilates

Hast du dich nach einer Pilatesstunde auch schonmal länger und aufgerichteter gefühlt? Die Kräftigung der kleinen, tiefliegenden und für die Gelenkstabilisierung wichtigen Muskeln führen zu einer verbesserten Körperwahrnehmung und einer aufrechten Körperhaltung. Der ganzheitliche Aspekt beruht auf der Verbindung von Körper und Geist und der Symmetrie von Bewegung und Atmung nach vorher bestimmten Atemmustern. Das führt dich zu einem ganz neuen Körperbewusstsein.

Von Deutschland über England nach Amerika

Joseph wurde 1883 als Kind vom Schlosser Friedrich und Fabrikarbeiterin Helena Pilates in Mönchengladbach geboren. Der Stammbaum der Familie Pilates lässt sich über mehrere Jahrhunderte im Gladbacher Raum zurückverfolgen. Der Nachname leitet sich vom Namen des Gehöfts Plates-Gut ab. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen, viele seiner jüngeren Geschwister wie auch seine Mutter starben früh. Als Sohn einer Arbeiterfamilie blieb ihm zunächst nichts anderes übrig als eine Bierbrauerlehre zu beginnen. Seine Gedanken kreisten jedoch weiterhin nur um den menschlichen Körper. Seine freie Zeit verbrachte er mit Turnen, Boxen und Bodybuilding.

1914 verließ er Deutschland um in England sein Glück als Profiboxer zu versuchen. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er mit anderen deutschen Staatsbürgern in ein Lager interniert. Dort lehrte und praktizierte er sein körperliches Übungsprogramm und entwickelte erste Übungsgeräte die als Hilfsmittel für kranke und behinderte Menschen in der Rehabilitation eingesetzt werden konnten. Nach seiner Freilassung 1919 kehrte er zunächst zurück nach Deutschland. Aufgrund fehlender beruflicher Möglichkeiten und Erfolge wanderte er schließlich 1926 nach Amerika aus.

Bereits 1922 und 1924 stellte er in Deutschland Patentanträge für seine Körperübungsgeräte, ein Fuß-und Beinkorrekturgerät und ein Ganzkörperübungsgerät, welches er „Universal Reformer“ nannte. Die Bewilligung der Patente liess lange auf sich warten und nachdem er hörte, dass neue Patente in Amerika viel mehr Anklang finden würden verliess er Deutschland für immer.

Contrology – Die Methode mit System

Auf der Überfahrt nach Amerika lernte er seine Frau Clara Zeuner kennen. Mit ihr zusammen errichtete er sein 1. Studio in New York. Seine Trainingsmethode wurde erst nach seinem Tod als Pilates Methode bekannt. Er selber nannte seine Methode „Contrology“, denn die Muskeln des Körpers sollten mit Hilfe des Geistes und des Atems gesteuert werden.

In den 20er und 30er Jahren kamen immer mehr fernöstlichen Bewegungsmethoden wie Yoga oder Jiu Jitsu nach Deutschland und Europa. Bei all diesen neuen Methoden faszinierte Pilates vor allem der enorme Einfluß der Atmung und die konzentrierte, achtsame und dadurch besonders präzise Bewegungsausführung. Die von ihm formulierten 6 Prinzipien beruhen auf seiner eigenen lebenslangen Erfahrung mit verschiedenen Trainingsmethoden und Sportarten wie Turnen, Gymnastik, Bodybuilding, Kampfsport und Yoga. Später inspirierte ihn vor allem die Arbeit mit professionellen Ballettänzern, die im selben Haus trainierten oder auf Empfehlung anderer TänzerInnen kamen.

Die 6 Pilates Prinzipien

  1. Zentrierung
  2. Atmung
  3. Kontrolle
  4. Konzentration/Aufmerksamkeit
  5. Bewegungspräzision/Ausrichtung
  6. Bewegungsfluß

Vom Berufsboxer zum Ganzheitlichen Trainingscoach

Pilates war schon früh ein Verfechter ganzheitlicher Methoden und damit seiner Zeit weit voraus. So formulierte er bereits in seinem Buch „Your Health“, dass neben einer regelmäßigen sportlichen Aktivität, die bewusste Atemführung, eine gesunde Ernährung, viel Bewegung an frischer Luft, kaltes Duschen nach dem Training und eine Work-Life-Balance von Bedeutung für die Gesundheit seien.

Er beobachtete Babys und Kleinkinder in ihrer Bewegungsvielfalt und fragte sich, warum die Beweglichkeit insbesondere die der Wirbelsäule mit steigendem Alter bei uns Menschen so stark nachlässt. Auch Tiere, besonders Katzen faszinierten ihn, da sie bis ins hohe Alter ihre Sprungkraft und Flexibilität beibehielten. In seiner Verantwortung als gesundheitsvermittelnder Lehrer betonte er besonders die Eigenverantwortung eines jeden Menschen für seinen Körper und gleichzeitig auch den Nutzen seiner Methode für die Verjüngung, bzw. die Aufrechterhaltung einer jungen und damit beweglichen und stabilen Wirbelsäule.

Der Mensch ist so alt wie seine Wirbelsäule

Joseph Pilates

Pilates Vermächtnis für die moderne Tanz- und Fitnesswelt

1967 starb Pilates im Alter von 84 Jahren an den Folgen eines Lungenemphysems. Am Ende seines Lebens war er teilweise recht verbittert, weil er nicht das erreicht hatte was ihm so am Herzen lag. Er glaubte tief an sein System als Lebensstil und war davon überzeugt, dass es Auswirkungen auf jede Facette des menschlichen Lebens und der Gesellschaft im Ganzen haben könnte. Pilates träumte davon, dass seine Methode an allen Schulen und Universitäten unterrichtet wird und dass dadurch allen Kindern der Zugang zu Wissen über den eigenen Körper ermöglicht werden sollte. Mit seinem Ansatz in Hinblick auf das Wohlbefinden, seine Erfindung von Trainingsgeräten und die Integration in den Alltag war Pilates seiner Zeit um etwa 50 Jahre voraus. Sogar Videomaterial in Form von Lehrvideos und informativer Werbung stellte er her. Erst Jahre nach seinem Tod revolutionierte seine Methode die Fitnesswelt und erlangte weltweiten Bekanntheitsgrad.

Es hätte ihn unglaublich stolz gemacht, zu wissen, dass seine Trainingsmethode 50 Jahre später überall auf der Welt praktiziert wird und der gesundheitliche Nutzen von Pilatestraining wissenschaftlich bewiesen wird. Nicht ohne Grund ist die Pilates Methode mittlerweile auch in Deutschland anerkannt und wird sogar von den gesetzlichen Krankenkassen als Trainingsmethode zur Prävention von Wirbelsäulenbeschwerden bezuschusst.

Meine Buchempfehlung: Joseph Pilates – Der Mann dessen Name Programm wurde. Biografie. Autorin: Eva Rincke. Herder Verlag 2015

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